Tipp
Nr. 11 : Mouintainbike oder Rennrad?

Viele
empfehlen Mountainbikes. Das kann man machen, aber es sollte dann ein
leichtes Mountainbike von max. 12,5 kg sein. Schwere Billigmodelle
bringen gar nichts. Als Radfahrer werden sie auf dem Camino de la
Costa sowieso kaum Pilgerwege benutzen. Aus diesem Grund empfehle ich
eher die Nutzung eines Rennrads.
Die
Behauptung vieler dass ein Mountainbike besser wäre als ein
Rennrad
liegt in der Annahme begründet, dass man mit dem Moutainbike
besser
auf den Pilgerwegen fahren kann. Das Problem ist aber, dass die
bessere Geländegängigkeit der Mountainbikes durch das
erhöhte
Gewicht das raufgeschleppt werden muss erkauft wird, sodass das im
Endeffekt ein Mountainbikefahrer auf den Pilgerwegen beim Camino de
la Costa genauso oft absteigen muss wie ein Rennradfahrer, das
übrigens im leichten Gelände nicht viel schlechter
oder anfälliger
ist als ein Mountainbike. Im Endeffekt ist das aber sowieso eine
Milchmädchenrechnung denn - egal ob Mountainbike oder Rennrad
- auf dem Camino de la Costa sind die Pilgerwege für
Fahrradfahrer
meistens völlig ungeeignet, da zu steil, zuviel
Geröll, zu
morastig oder zu dornenreich bzw. zu zugewachsen (und oft alles
zusammen), sodass man i. d. R. als Radfahrer auf den Land- und
Nationalstrassen fährt, fahren muss (ausser die letzte
Kilometer in Richtung Santiago de Compostela; da nehmen sie auch als
Radfahrer den
Pilgerweg). Und auf den Land- und Nationalstrassen - aber auch auf
den gut geteerten Dorf- und Landwirtschaftswegen - sind sie mit einem
leichten Rennrad (7-10 kg) gegenüber den schweren (oft
kleinrädigen
26 Zoll) Mountainbikes (11 bis 16 kg) immer in einem gewaltigen
Vorteil. Und sie müssen sich auch keine Sorge wegen der
Haltbarkeit
machen: Heutige Rennradkomponenten sind genauso stabil und haltbar
wie die die Teile von Mountainbikes (sie sind oft sogar identisch).
Ich hatte ein preiswertes 600-EUR-Rennrad von Fahrrad
XXL mit
kompletter Shimano Sora Ausstattung, Alu 6000er-Rahmen und
Aluminium-Felgen und Alu-Lenker und Alu-Sattelstütze. Alles
bereits
gut 2,5 Jahre alt. Nichts ist kaputt gegangen, obwohl es im Flugzeug
und manchmal auch auf den Wegen schwer leiden musste. Das wichtigste:
benutzen sie Reifen mit einer hohen Pannenschutzsicherheit, z. B.
Schwalbe Marathon.
(Mein
Dancelli Rad, 629 EUR, Shimano Sora Ausstattung, Selle Italia Sattel, Ritchey Lenker/Vorbau, ca. 10 kg + Lenkertasche
Beachten
sie folgende 3 Punkte auf jeden Fall:
-Wichtige
tragende Teile, also Lenker, Vorbau, Sattel und Sattelstütze
sollten
sie erneuern, falls sie älter als 5 Jahre sind,
Beschädigung oder
starke Gebrauchsspuren aufweisen oder wenn sie zwar äusserlich
völlig intakt scheinen, aber einem starken Sturz ausgesetzt
waren.
-Gehen
sie nicht mit eine steinalten oder gar rostigen Fahrrad oder mit
einem Rad das Beschädigungen oder starke Rost- und
Gebrauchsspuren an Rahmen, Gabel oder Rädern aufweist auf den
Pilgerweg
-Lassen
sie – falls das letzte mal länger als 1,5 Jahre her
ist – auf
jedenfall die Bremszüge und die Bremsklötze in einer
Fachwerkstatt
erneuern. Das kostet sie maximal 20-25 EUR.
Falls
sie diese drei Warnungen nicht ernst nehmen, kann es Ihnen passieren,
dass ein wichtiges Teil auf den halsbrecherischen Abfahrten versagt
und z. B. zerbricht. Wenn das passiert sind sie tot!
UND:
FAHREN SIE IMMER NUR MIT HELM!
Tipp
Nr. 12: Rucksack oder Fahrradtaschen?
Nutzen
sie wenn möglich Sattel- und Lenkertaschen statt Rucksack,
sowie
einen grossen Brustbeutel für Geld und Ausweise. Nehmen sie,
wenn
überhaupt, nur einen kleinen bzw. leeren Rucksack für
Touren oder
Städtegänge mit. Ihr Rücken wird es ihnen
danken.
Bei
Nutzung einer Satteltasche benötigen sie zuerst einen Gepäckträger.
Es gibt preiswerte und sehr stabile Gepäckträger auch
für
Rennräder und Mountainbikes zum nachrüsten. Dabei
haben Sie die
Wahl zwischen Sattelstützen-Gepäckträger die
in der Regel maximal
10 kg tragen können und Standard- bzw. System
Gepäckträger die am
Rahmen befestigt werden und i. d. R. bis 25 kg tragen können.
Preislich nehmen die sich nicht viel (10 bis 40 EUR). Die
Sattelstützen-Gepäckträger sehen schicker
aus, sind i. d. R.
leichter und passen eigentlich immer, sind aber weniger stabil und
können schon bei geringer Überbelastung in
schwierigen Situationen
(in schwerem Gelände, beim hinfallen, versehentlich
draufstützen,
etc.), zerbrechen. Die System- und
Standard-Gepäckträger haben
größere Reserven, sind stabiler und vertragen mehr.
Dafür sind sie
meist etwas schwerer und passen u. U. nicht an Ihr Rennrad oder
Mountainbike, wobei hier es meistens dann die Rennräder
betrifft.
Ich
würde mich für einen
Sattelstützengepäcksträger entscheiden und
zwar für den mit dem geringsten Eigengewicht, der noch 10 kg
tragen
kann. Dazu eine Lenkertasche mit z. B. Klickfix-Befestigungssystem
und 7-10 Liter Volumen. Preis: ca. 25 bis 35 EUR (NoName) zzgl.
Klickfix-Befestigungsteile (weitere 20 EUR; Achten sie darauf das die
Schellen gross genug sind!)

In
die Lenkertasche, die leicht
abnehmbar sein sollte (z.
B. dank Klick-Fix), tun sie alle größeren wertvollen
und wichtigen
Sachen, wie Handy/Smartphone, Ladegerät, Kamera, Taschenlampe,
Pilgerführer und meine ausgedruckten Routenpläne,
Messer,
Medikamente, etc. Wenn sie irgendwo einkehren oder anhalten,
müssen
sie nur diese Tasche (die oft einen Schulterriemen haben –
Achtung:
Schulterriemen während der Fahrt entfernen oder so befestigen
das er
nicht in die Speichen gerät) ab- und mitnehmen.
Für
Geld, Personal- und Pilgerausweis, Kreditkarten, Krankenkassenkarte
(EHIC) und Flugtickets oder Bahntickets benutzen sie am besten einen
reißfesten Brustbeutel,
der gross genug ist diese
Dinge sicher vor Dieben und Nässe zu schützen. Sie
bekommen solche
Brustbeutel schon für weniger als 5 EUR. Nehmen sie diesen
Brustbeutel niemals ab, nur in einem Hotelzimmer. Brustbeutel aus
Leder sind übrigens oft nicht sehr reißfest und
deshalb nicht zu
empfehlen, auch wenn sie schick aussehen.
In
die Satteltasche komme all die
Dinge, die sowieso
keiner klaut, wie Unterhosen, Strümpfe, Toilettenartikel, etc.
bzw.
deren Diebstahl sie verschmerzen können.
Die
Satteltasche sollten sie ebenfalls nach Gewicht aussuchen, d. h.
möglichst leicht. Sie sollte mindestens 30 Liter fassen,
besser 40
Liter. Mehr ist nicht notwendig. Satteltaschen in allen Preislagen
finden sie auf Amazon und bei Brüggelmann oder in ihrem
Fahrradgeschäft um die Ecke...
Sollten
sie sich aber entgegen meinem Rat (und ich weiss wovon ich rede, denn
ich habe diesen Fehler gemacht) für einen Rucksack statt einer
Satteltasche entscheiden, dann nehmen sie auf keinen Falle einen
grossen (60-80 Liter) Rucksack oder einen mit Alu-Tragegestell. Die
grossen Rucksäcke ohne Tragegestell haben bereits ein sehr
hohes
Eigengewicht, drücken u. U. gegen Kopf oder Helm und machen
das
tragen dann schwierig bis unmöglich. Bei grossen
Rucksäcken mit
Aluminiumgestell (die oft sehr verführerisch leicht sind) ist
das
auf jeden Fall der Fall, d. h. das tragen eines Helms ist meistens so
gut wie unmöglich und bei schnellen Abfahrten und starken
abbremsen
drückt das Gestell auf Kopf und Genick. Das ist nicht
ungefährlich...
Holen
sie sich dann lieber einen normalen, mittleren Rucksack von maximal
35 bis 40 Litern.
Ich
habe in Spanien meinen Rucksack mit Tragegestell weggeschmissen und
mir statt dessen einen kleineren „Nike 6.0 Mid
Rucksack“ in Lila
für 50 EUR gekauft. Schick und modisch, weshalb ich am Anfang
skeptisch war, aber er entpuppte sich als leichtes, stabiles und
ausreichend grosses Multitalent für alle meine Sachen. Ich
habe den
Kauf nie bereut, zumal ich ihn auch zuhause für Uni und Arbeit
und
Einkaufen benutzen kann.
Dennoch:
ein Rucksack belastet ihren Rücken sehr, weshalb eine
Satteltasche
immer die bessere Wahl ist....
Tipp
Nr. 13: Fahrradunterbringung / Fahrradmitnahme in Bus und Bahnen.

Lt.
diverser Pilgerführer ist das alles kein Problem, da Herbergen
und
Pensionen und Hotels entweder einen (angeblich abschliessbaren)
Fahrradraum besitzen oder die Mitnahme des Fahrrads auf die Zimmer
gestatten.
Keine
Ahnung woher diese Weisheiten kommen: Ausser der Rezeption im Hotel
Leon hat mir keine Unterbringung erlaubt das Fahrrad mit aufs Zimmer
zu nehmen und ausser bei der Herberge in Bilbao bin ich nirgendwo auf
einen abschliessbaren Fahrradraum gestoßen. Insofern kann ich
diese Angaben aus anderen Pilgerführern nicht
bestätigen.
Aber
i. d. R. ist die Unterbringung ihres Rades tatsächlich kein
Problem,
denn in jeder Herberge, jeder Pension und jedem Hotel findet sich ein
Raum wo ihr Fahrrad relativ sicher ist und man wird immer
bemüht
sein, ihnen dabei zu helfen (bei den Hotels natürlich mehr als
bei
den Pensionen und den Herbergen). Dennoch sind diese Räume nur
selten wirklich sicher, weshalb sie ihr Fahrrad immer auch noch mit
einem Schloss sichern sollten.
Die
Mitnahme von Fahrrädern in lokalen Metros (Bilbao), Bussen
(Arriva,
Alsa, eurolines, etc.) und Bahnen (FEVE, etc.) ist in Spanien im
Regionalverkehr völlig unproblematisch, vorbildlich und
(anders
als in der
Servicewüste Deutschland) i. d. R. kostenlos. Da werden
sie
niemals Probleme haben. Beachten sie nur, dass alle Bahnen (Metro,
Feve, Renfe, etc.) ein Fahrradabtei haben, dass sie auch nutzen
sollten.